Die Gründung

Am 12. Februar 1907 erschien in zwei Marburger Tageszeitungen ein Aufruf „zum Zweck der Gründung eines Spar- und Bauvereins, dessen Aufgabe es sein wird, minderbemittelten Familien zweckmäßig eingerichtete Wohnungen zu billigen Preisen zu verschaffen".

Am 15. Februar 1907 kamen über 100 Marburger zusammen und gründeten die „Marburger Spar- und Bauverein Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht". 107 Anwesende erklärten ihren Beitritt, beschlossen die Satzung und wählten einen Aufsichtsrat. Noch im selben Jahr stieg die Mitgliederzahl auf 228. Die Mitglieder setzten sich im Gründungsjahr zusammen aus:

66% Wohnungsinteressierte,
9% Arbeitgeber, die damit für ihr Personal sorgten,
14% Professoren der Universität,
11% Idealisten.

historie 01 510x490

 

1907 – 1914

Um den Vereinszweck zu erfüllen musste man aus Sparsamkeitsgründen auf das Wohnideal von Einfamilienhäusern verzichten und beschloss, möglichst 6 – 8 Wohnungen in einem Hause zu vereinigen und diese Häuser in einer zusammenhängenden Gebäudegruppe aneinanderzureihen.
Da auch damals Bauland Mangelware war, wurde dem Verein ein neues Wohngebiet eingeräumt: die Afföllerstraße.
1908 konnten die ersten drei Häuser Eisenstraße 7, Afföllerstraße 36 und 38 bezogen werden.
Insgesamt wurden bis 1914 12 Häuser mit 86 Wohnungen geschaffen. In Marburg hat somit schon vor dem 1. Weltkrieg sozialer Wohnungsbau stattgefunden, wobei es zur damaligen Zeit einen anderen Stellenwert und Ansehen hatte.

 

1914 – 1918

Der erste Weltkrieg unterbricht die Entwicklung der Genossenschaft. Finanzielle Schwierigkeiten brachten Mietrückstände mit sich, doch der genossenschaftliche Geist „Alle für Einen, Einer für Alle!" blieb.
Die Marburger Spar- und Bauverein Genossenschaft hatte ihren Stammsitz im Afföller, doch schon 1919 trat man in Verhandlungen um Landerwerb am Weinberg (heute Ortenberg), das man 1922 auch käuflich erwerben konnte. An den Ausbau dieser Pläne war jedoch, durch das bittere Kriegsende, nicht zu denken.

 

1925 – 1932

Die Inflation nach dem Kriegsende hatte zur Folge, dass die Gelder leider zerronnen waren, was blieb waren die Sachwerte. Als nach der Inflation die neue Reichsmark eingeführt wurde, konnte neu geplant werden. Weitere 19 Häuser mit 88 Wohnungen konnten errichtet werden.

 

1932 – 1936

Die Wirtschaftskrise und der Nationalsozialismus gebieten der Genossenschaft von neuem einen Stillstand. Von Bedeutung war das Jahr 1932, indem die Genossenschaft als gemeinnütziges Wohnungsunternehmen anerkannt wurde.

 

1936 – 1945

Weitere 19 Häuser mit 105 Wohnungen können bis zum Kriegsbeginn errichtet werden.
Der Krieg nahm in den letzten Monaten ein schreckliches Ende für unsere Genossenschaft. Der Aufsichtsrat stellte nach Kriegsende folgendes Fazit fest:
„Das Bild, das sich dem Beschauer nach der Bombenkatastrophe bot, war derartig verzweifelnd, dass die meisten Bürger wohl nicht mehr mit einem Wiederaufstieg des Bauvereins rechneten. Von 50 Genossenschaftshäusern waren 44 beschädigt, davon 11 Häuser ganz zerstört, 14 Häuser schwer und 19 Häuser leichter beschädigt. Gesamtkriegsschaden der Genossenschaft 1,5 Millionen Mark."

 

1946 – 1961

Die Mitglieder der Genossenschaft teilten sich die wenigen erhaltenen Wohnungen. Die Nachkriegsjahre werden von der Behebung der Kriegsschäden geprägt.

 

1961 – 1967

Die Modernisierung der Altbauwohnungen steht im Vordergrund dieser Zeit. 170 Wohnungen, in denen ein Bad fehlte, wurden mit Bädern ausgestattet. Es entstanden die Häuser Geschwister-Scholl-Str. 12, 14, 16 - 20, Greifswalder Weg 1 und 3, und Am Richtsberg 22.

 

1970 – 1973

Die Häuser Chemnitzer Straße 6 und 8 mit insgesamt 24 Wohnungen wurden gebaut.

 

Rückblick 1982 – 2007

Das alte Wohnhaus Im Gefälle 24 mit 4 Wohneinheiten war auf Grund des Alters nicht mehr erhaltungswürdig und wurde abgerissen. Ein neues, mit öffentlichen Mitteln gefördertes Wohngebäude wurde erstellt. Das neue Gebäude umfasst nun insgesamt 8 Wohneinheiten.

Aufgrund eines vorhandenen sowie gestiegenen Wohnraumbedarfs wurden eine Wohnanlage mit 6 Reihenhäusern in der Gerhart-Hauptmann-Str. sowie 3 Wohngebäude in der Leipziger Straße mit 54 Tiefgaragenstellplätzen geplant. Die Gebäude wurden in 1995 bezugsfertig. Der Wohnungsbestand der Genossenschaft belief sich somit ab 1995 auf 402 Wohneinheiten.

Im Jahre 1995 wurde in der August-Bebel-Straße eine kombinierte Parkplatz-, Carport-Anlage erstellt.

Die nächste und vorerst letzte große Erweiterung erfolgte in den Jahren 1999 - 2001. Ihr ging die Insolvenz eines Marburger Wohnungsunternehmens voraus. Die Verwaltungsorgane beschlossen eine Abgabe von Angeboten bei den anstehenden Zwangsversteigerungen, aus denen die Zuschläge zu Gunsten der Genossenschaft hervorgingen. Die Genossenschaft erweiterte hierdurch ihr Angebot um 134 auf insgesamt 536 Wohnungen. Der größte Teil und zwar 110 Wohnungen wurden in einer Eigentumswohnanlage in der Cappeler Straße erworben. Hier ist man Teil einer Wohnungseigentümergemeinschaft. Die übrigen 24 Wohnungen in 2 Wohngebäuden wurden in der Straße „In der Badestube" ersteigert.

Der aktuelle Bestand der Genossenschaft beläuft sich auf:

537 Wohneinheiten mit 32.700 qm Wohnfläche
113 Garagen und PKW-Abstellplätze
1 Büroeinheit
1 Gewerbeeinheit

Die Zahl der Genossenschaftsmitglieder beläuft sich zum 31.12.2016 auf:

899 Genossenschaftsmitglieder